Exquisites Akkordeonkonzert zu Pfungstädter Orgelwochen 2011

Ensemble der Akkordeonvereinigung konzertierte in der Martinskirche mit Trompeter Jens Jourdan und Organist Christian Lorenz

Ein exquisites Akkordeonkonzert bot das Ensemble der Akkordeonvereinigung 1936 Pfungstadt e. V. (AVP) am 9. Mai in der schönen Martinskirche zu Pfungstadt. Es war die zweite Veranstaltung im Rahmen der Pfungstädter Orgelwochen, dieses Jahr zum 6. Mal durchgeführt, traditionell unter Beteiligung der AVP.
Zur Eröffnung erklang die Sinfonia in B-Dur mit den Sätzen Allegro assai, Andante und Presto von Johann Christian Bach („Londoner Bach“, 1735-1782 ), dem jüngsten Sohn des großen Johann Sebastian. „Wo sitzt denn der Organist?“ fragte eine Zuhörerin. Aber die Orgel spielte gar nicht, sondern sieben Akkordeonisten unter der Leitung ihres Dirigenten Jens Jourdan. Es war tatsächlich erstaunlich, wie differenziert, präzise und überzeugend sie Bachs Werk darboten, immerhin Musik aus einer Zeit, als es das Akkordeon noch gar nicht gab.
Es folgte von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) die Sonata IV in C-Dur. Dirigent Jens Jourdan blies so brilliant die Trompete, im perfekten Einklang mit dem Ensemble, als wäre die Komposition just für diese Musiker geschrieben worden.
Kantor Christian Lorenz spielte anschließend die Franz List gewidmete Sonate für Orgel Nr. 3 in A-Moll, op.23 von August Gottfried Ritter (1811-1885). Die sich entfaltende reiche Klangvielfalt entführte die Zuhörer in akustisch ungewohnte Sphären und manchmal hatte es den Anschein, als wolle das große königliche Instrument stolz und selbstbewusst vorführen, dass es an Umfang und Ausdruck seinen kleinen Verwandten mit Tasten, Balg und Knöpfen bei weitem überlegen ist.
Das Konzert schloss mit einem ganz besonderen musikalischen Bonbon, Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Fantasie für eine Orgelwalze. Der Titel verblüfft, denn wo hat die Orgel eine Walze? Das Werk ist, wie Kantor Lorenz erklärte, wegen schwieriger Griffe für Organisten so gut wie unspielbar. Nicht so für Akkordeonisten! Das professionell spielende Akkordeon-Ensemble präsentierte mit sichtlicher Freude einen Mozart „wie gemalt“, filigran und musikantisch, einfach herrlich!
Zu dem besonderen Klangerlebnis trug nicht zuletzt auch die hervorragende Akustik der wunderschönen in 1746 bis 1748 erbauten und im späten 19. Jahrhundert renovierten Martinskirche bei. Das spezielle Angebot von Orgel- und Akkordeonklängen im Kirchenraum reizt zum Vergleich. Beide Instrumente sind gleichsam „atmende Körper“. Die denkmalgeschützte Johann-Hartmann-Bernhard-Orgel wurde im Jahre 1825 erbaut. Nur vier Jahre später ließ damals Cyrill Demian in Wien das erste so genannte „Accordion“ patentieren. Nach der im Vergleich zum Orgelbau erst kurzen Zeitspanne der Weiterentwicklung tritt heutzutage die gewisse Charakterverwandtschaft immer stärker hervor.
Mit viel Applaus und einer kurzen Zugabe endete das wunderbare Kirchenkonzert, das einmal mehr zeigte, wie vielseitig Akkordeonmusik sein kann und natürlich auch anspruchsvoll.
Das AVP-Akkordeon-Ensemble, das seit rund 15 Jahren besteht und in diesem Zeitraum Preise und hervorragende Platzierungen auf nationalen und internationalen Wertungsspielen in der Höchststufe erzielte sowie zahlreiche Konzerte im In- und Ausland spielte, besteht derzeit aus Hilde Barth, Daniela Cappel-Hemmje, Jens Jourdan, Ute Bär, Matthias Hemmje, Juliane Kuhn, Wolfgang Kirschner und Jan Rink.
Das nächste große Konzert der AVP, das spektakuläre Jubiläums-Akkordeonissimo mit dem neu gegründeten Bundes-Akkordeonorchester und dem 1. Orchester der AVP findet am 11. Juni 2011 um 18:00 Uhr in der Mehrzweckhalle Eschollbrücken statt. Es steht unter dem Motto „125 Jahre Stadt Pfungstadt - 75 Jahre Akkordeon-Vereinigung 1936 Pfungstadt e.V. - 180 Jahre Akkordeon“. Man darf gespannt sein. Der Eintrittspreis beträgt 9 bzw. ermäßigt 6 Euro. Weitere Informationen: www.avp-1936.de